Das Notenlesen am Anfang
Und wie Fino Flötenkönig mit den Herausforderungen umgeht
Jeder, der ein neues Instrument lernt, steht vor der Aufgabe, auf vielen Ebenen unterschiedliche Lerninhalte zu verarbeiten und zu verknüpfen. Kinder, die sich entscheiden, Blockflöte zu lernen, sind in der Regel sehr jung und brauchen mehr Hilfe, diese Lerninhalte in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen, weil es nicht möglich ist, mehrere Dinge gleichzeitig im Auge zu behalten, wenn alles neu ist. Dieser Aspekt spielt in der Methodik der Fino Hefte eine sehr große Rolle.
Viele neue Bewegungsabläufe
Am Anfang des Blockflötenspiels werden viele neue Bewegungsabläufe kennen gelernt: Die Finger müssen die Flötenlöcher sauber abdecken, dass ein klarer Ton entsteht. Das Kind sollte auch als Anfänger gleichmäßig und nicht zu fest oder zu locker in das Instrument blasen, sonst klingt es nicht gut, man muss also seine Atmung kontrollieren. Dazu kommt noch bei jedem neuen Ton ein Zungenstoß, das "dü". Das waren alleine schon drei unterschiedliche Bewegungsbereiche, die aber für ein Gelingen alle koordiniert und abgestimmt werden wollen.
Macht der Schüler es mit den Fingern und der Atmung endlich richtig, kann es sein, dass ihm gesagt wird, er solle die Flöte höher halten, außerdem habe er das "Dü" vergessen...
All das ist ja noch nicht automatisiert, klappt noch nicht ohne dran zu denken. Das braucht viel Aufmerksamkeit, ein bisschen Zeit und eine gewisse Anzahl an Wiederholungen.
Rhythmus
Schon für das Spiel der ersten Lieder ist es unerlässlich, die Abfolge der Töne in lang und kurz einteilen. Mit den ersten Liedern entsteht sofort das Thema "Rhythmus". Jeder Ton muss als "lang" oder "kurz" eigentlich auf ein gleichbleibendes Metrum einrasten, sonst entsteht nicht Rhythmus. Das kann kompliziert sein, aber: das Prinzip Rhythmus kennt das Kind vom Singen, Sprechen und Hören her eigentlich schon lange. Wenn es "Rhythmus" also so bald wie möglich auch beim Flöten richtig spürt und ausübt, dann muss das später nicht wieder mühsam "gelernt" werden.
Wenn am Anfang zu viel gleichzeitig gelernt werden soll, kommt es dazu, dass das Kind so beschäftigt ist, dass es einfach keine Kapazitäten mehr hat, auch noch auf die Tondauern zu achten.
Lernen der Notenschrift
In vielen Methoden kommt ziemlich bald am Anfang zu den motorischen und rhythmischen Herausforderungen noch das Notenlesen dazu. Hierzu gibt es keine Vorerfahrungen, an die das Kind anknüpfen kann. Es hat oft sogar aufgrund seines Alters noch nicht einmal die Erfahrung des Lesens gemacht. Das alleine eine nicht zu unterschätzende Herausforderung, weil hier nicht nur gelernt werden muss, dass ein bestimmter Punkt in einem Fünfliniensystem einem Griff auf der Flöte zugeordnet ist. Auch muss - erst mal völlig kontraintuitiv - aus einzelnen Punkten eine zusammenhängende Melodie entstehen. Wie soll das mit Freude gehen, wenn das Kind noch völlig von den ersten beiden Punkten - Bewegung und Rhythmus eingenommen ist?
Das Alter beachten
Sehr junge Musikschüler brauchen ein sicheres und übersichtliches Lernumfeld. Allein zwei schwierige Aufgaben gleichzeitig zu lösen stresst und blockiert.
Nur ein Beispiel aus der Lernpsychologie, warum das so ist: Das Arbeitsgedächtnis ist bei jungen Kindern noch sehr begrenzt. Sie können Informationen nur sehr kurzfristig speichern und verarbeiten. Kommt gleich noch eine zweite neue Anforderung dazu, wird das System schnell überlastet, eine Sache fliegt raus.
Überforderung ist schlecht
Wenn all diese Herausforderungen also ungebremst und vor allem gleichzeitig auf das Kind zukommen, entsteht zwangsläufig Überforderung, die durch nicht flüssige und verkrampfte Bewegungen, Problemen beim Notenlesen oder unrhythmischen Spiel kompensiert wird. Für alles ist einfach nicht genug Platz auf der Platte!
Viele aus der Überforderung entstandenen Probleme müssen dann später wieder mühsam bearbeitet werden. Und aus Überforderung entsteht erst einmal Frust. Herkömmlich wird das gerne gelöst, indem einfach so oft geübt wird, bis es irgendwann klappt.
Aber das geht auch anders!!
Das Beispiel Noten Lesen: Mit Fino geht es Schritt für Schritt!
Im ersten Band von Fino Flötenkönig wird Noten Lesen erst eingeführt, wenn die Kinder schon flüssig und mit Begeisterung "Ringel Rangel Rosen" und viele andere Lieder im Dreitonbereich spielen können.
Das ist möglich, indem jeder neue Ton und der dazu gehörige Griff auf der Flöte in Verbindung mit einer einprägsamen Figur und einer Farbe gelernt werden. Die Kinder identifizieren sich so stark mit den Figuren, dass die Verknüpfung Ton-Farbe von Anfang an sitzt und im Weiteren sehr schnell völlig intuitiv mit diesen farbigen Noten Melodien gelernt werden können.
Das bedeutet: Bevor die Kinder lernen, wie sie schwarze Punkte in Melodien übersetzen, haben sie schon mit Freude Melodien gespielt und viele der oben genannten Herausforderungen gemeistert - nur eben ohne Noten Lesen im traditionellen Sinn.
Sie können in der Regel schon rhythmisch und vor allem flüssig spielen - in diesen zwei wichtigen Bereichen existiert also schon eine große Lernkurve.
Wenn die Kinder jetzt mit Notenlesen beginnen, haben sie also schon genug musikalische Vorerfahrungen, um aus schwarzen Punkten rhythmische und klangvolle Melodien entstehen zu lassen. Sie verfügen über eigene Erfahrung, wie es klingen muss und können diese nun auf die schwarzen Noten übertragen.
Das Spiel nach Farben wird parallel weiter geführt, dem Wunsch, dem Flötenspiel neue Töne und Schwierigkeiten hinzuzufügen, entsprochen.
Eher nebenbei kommen die schwarzen "richtigen" Noten, die Schritt für Schritt erforscht und gelernt werden, dazu. Am Anfang wird dabei grundsätzlich nur Tonmaterial verwendet, mit dem die Kinder mit farbigen Noten schon gut spielen können.
Erst gegen Ende des ersten Bandes ist das Notenlesen so sicher und flüssig, dass allmählich ein neue Ton auch gleichzeitig mit der schwarzen Note eingeführt wird.
Ein positiver Effekt dieser Methode: Kaum ein Kind hat während Fino und auch später Probleme mit Notenlesen.
Spätestens in Fino 2 können sogar eher schnell hintereinander neue Töne eingeführt werden. weil die Grundlagen sicher sind und das Prinzip von Anfang gründlich und vor allem mühelos gelernt wurde.
Ein kleiner Ausschnitt: Schritt für Schritt zum Noten lesen
Das Drachenlied wird mit D ("Drache") gespielt. Die korrekte rhythmische Umsetzung wird durch einen klaren Sprachrhythmus und die Darstellung der Töne mit langen und kurzen Strichen unterstützt.
Zweitonlieder mit langen und kurzen Strichen. Einfache und kurze Verse erleichtern das rhythmische Spiel.
Bevor die Kinder ein Lied mit "richtigen" Noten spielen, erforschen sie, wie diese aussehen.
...dann, beim drauf folgenden Lied mit "echten" Noten, spielen sie erst noch einmal das Drachenlied, das sie zuvor schon mit langen und kurzen Strichen gespielt haben. So ist die "richtige" musikalische Vorstellung schon da und kann nun mit der neuen Form der Notation verknüpft werden.
Später, wenn dann die schwarzen Noten dazu kommen, erklärt Fino den Kindern, wo sie diesen Ton, den sie farbig schon längst kennen, im traditionellen 5-Linien-System finden. Dieser neue Ton wird dann im Notenfinder mit der dazugehörigen Farbe angemalt.
Der Notenfinder begleitet dann die Kinder durch das ganze Heft. Er ist das Backup im Hintergrund, auf das sie immer wieder zurück greifen können, wenn sie einmal die Töne durcheinander bekommen. Dann legen sie den Notenfinder, der aus dem Heft heraus getrennt wurde, neben die Noten und finden dort meist selbständig die Note, die sie im Stück nicht wissen. Durch die Farben, die immer sicher zum richtigen Ton führen, funktioniert das zuverlässig. Nebenbei - sie finden nur zu dem gesuchten Ton, indem sie sich richtig orientieren: Auf welcher Zeile ist der Ton, den ich nicht weiß? Was für eine Farbe hat der gleiche Ton auf dem Notenfinder? Es ist von Kind zu Kind unterschiedlich, aber jeder weiß es irgendwann ganz sicher, welche Note zu welchem Ton gehört und kann sich aber auf dem Weg dahin mit dem Notenfinder immer selber helfen.